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Russisch-ukrainisches Rätsel: Für wen reiste Abramowitsch?

Ein von der EU sanktionierter russischer Oligarch reiste nach Kiew und traf Wladimir Selenskij; soweit scheinen sich alle einig. Aber zur Frage, ob er dorthin geschickt oder gerufen wurde, wer also durch die Hintertür Verhandlungen sucht, widersprechen sich die Angaben.
Russisch-ukrainisches Rätsel: Für wen reiste Abramowitsch?Quelle: Sputnik © Sergei Karpuchin

Für die Bild wie auch für die Financial Times, auf die sich das Blatt beruft, ist die Geschichte eindeutig so, wie der ukrainische Regierungschef Wladimir Selenskij sie erzählt: Der russische Oligarch Roman Abramowitsch, bekannt unter anderem als ehemaliger Eigentümer des britischen FC Chelsea, sei als privater Bote des russischen Präsidenten Wladimir Putin nach Kiew gereist und habe sich dort auch mit Selenskij getroffen.

Dieser erzählte auch dem britischen Sender Sky News darüber und betonte, Abramowitsch habe um Vertraulichkeit gebeten, die Selenskij abgelehnt habe: "Für uns spielt es keine Rolle, ob es öffentlich ist oder nicht." Er vertraue Moskau ohnehin nicht.

Abramowitsch habe sondieren sollen, zu welchen Kompromissen die Ukraine bereit sei. Er, Selenskij, habe erklärt, die Ukraine werde den Donbass nicht aufgeben: "Wir werden euch keinen Sieg schenken – auf diese Art, und ihr werdet ihn auch nicht erringen!"

Diese Begegnung soll stattgefunden haben, ehe Selenskij in der letzten Woche seinen offenen Brief an Putin schickte, in dem im Kern die altbekannten Aussagen wiederholt wurden, hinter die sich am Wochenende auch die Regierungschefs Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands stellten. Auf das Schreiben hatte Putin erklärt, er sehe keinen Grund für Gespräche auf den Grundlagen, die Selenskij verlange.

Allerdings – die Moskauer Darstellung der Reise von Roman Abramowitsch klingt ganz anders. Auf dem St. Petersburger Wirtschaftsforum (SPIEF) erklärte Putin laut RIA, ein nicht benannter russischer Geschäftsmann sei nach Kiew eingeladen worden; dort habe sich Selenskij mit ihm getroffen und ihm eine Nachricht an den Kreml übermittelt. Dieses Gespräch habe am 21. Mai stattgefunden; nur einen Tag später schlugen ukrainische Drohnen im Studentenheim in Starobelsk ein.

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