Deutschland

Leipzig: Christliches Café macht nach 26 linksextremen Anschlägen dicht

Das Leipziger Café "Stay" stellt seinen Betrieb ein, nachdem insgesamt 26 Anschläge auf die Einrichtung verübt wurden – mutmaßlich aus der linksextremen Szene. Das Café ist mit der Zeal Church verbunden. Die Freikirche vertritt konservative Ansichten und hat damit den Zorn der Linksextremisten auf sich gezogen.
Leipzig: Christliches Café macht nach 26 linksextremen Anschlägen dicht© Telegram-Kanal/zealchurch

Farbschmierereien, eingeschlagene Scheiben und zweimal Anschläge mit Buttersäure: Insgesamt 26 Attacken gab es auf das Café "Stay" in Leipzig seit seiner Eröffnung im Jahr 2023. Nun will das Café in der Dresdener Straße seinen Betrieb zum Ende des Monats einstellen, wie dessen Betreiber René Wagner, zugleich Pastor der mit dem Café verbundenen freikirchlichen Zeal Church, gegenüber der Leipziger Volkszeitung bestätigte.

Die Zeal Church ist im evangelikal-charismatischen Umfeld der Pfingstbewegung verortet und ging aus dem internationalen International Christian Fellowship-Movement hervor, von dem sie sich im Jahr 2020 offiziell lossagte. Wie viele andere Freikirchen vertritt sie oft konservative Ansichten. So setzt sie sich für das Lebensrecht Ungeborener ein und traut keine homosexuellen Paare.

Aus der linksextremen Szene wird der Kirche deswegen Homophobie und "Queerfeindlichkeit" vorgeworfen, was Wagner zurückweist. Die Gemeinde, in der auch seine Ehefrau als Pastorin mitwirkt, vertrete ein "traditionelles Familienbild". Zudem sei die Ablehnung gleichgeschlechtlicher Segnungen von der Religionsfreiheit gedeckt. Im Café seien alle willkommen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung.

"Wir begegnen Menschen in Liebe und mit Annahme, auch wenn wir in einzelnen Fragen der Ethik oder Werte andere Überzeugungen haben", heißt es in einer Stellungnahme vom Dezember zu den Vorwürfen, als bereits 21 Anschläge auf die Einrichtung verübt worden waren.

Wagner wies auch den Vorwurf zurück, Einnahmen aus dem Café mit seinen sieben Mitarbeitern würden zur Finanzierung der Kirche genutzt. Die Einnahmen blieben im Café, betont der Pastor. 

Dass die über zwei Dutzend Angriffe auf das Café von Linksextremisten verübt wurden, dessen ist sich Wagner sicher. Nicht zuletzt weil zu mehreren Anschlägen Bekennerschreiben auf der linkradikalen Plattform Indymedia veröffentlicht worden waren.

Der schwerste Angriff sei ein Buttersäureanschlag in der Nacht zum ersten Weihnachtstag gewesen, so Wagner. Dabei sei ein Sachschaden von rund 20.000 Euro entstanden. Bis heute rieche es im Café streng, obwohl man einen neuen Bodenbelag verlegt habe und sogar ein Tatortreiniger da gewesen sei.

Die Stadt Leipzig hatte nach einer Anfrage der BSW-Fraktion erklärt, die Anschläge stellten keine Angriffe auf die Religionsfreiheit dar und seien vor allem ein wirtschaftliches Problem. Dem entgegnete die Kirche in einer weiteren Erklärung vom Januar, dass sich die Angriffe "eindeutig gegen unsere religiöse Identität, unsere Theologie und unsere Glaubenspraxis" richteten. 

Zudem fühlten sich Mitglieder und Mitarbeiter von Kirche und Café durch die Attacken bedroht und seien eingeschüchtert, ihren Glauben aus Furcht vor weiteren Angriffen sichtbar zu leben. "Eine Religionsfreiheit, die nur abstrakt besteht, aber faktisch unter permanenter Bedrohung steht, ist keine gelebte Religionsfreiheit", heißt es in der Erklärung.

Trotz der Schließung des Cafés hätten Linksextreme in Leipzig in seinen Augen nicht gewonnen, betonte Wagner. Jahrzehntelang habe niemand über konservative Christen in Deutschland geredet, doch jetzt seien sie nicht nur in Leipzig ein Thema, sondern es gebe sogar etliche Dokumentationen im Fernsehen über sie. 

Die linksextreme Szene in Leipzig dürfte die Café-Schließung jedoch als Sieg für sich reklamieren. Schließlich hatte es in Bekennerschreiben geheißen, dass das von "erzkonservativen" Christen betriebene Café in den Ruin getrieben werden müsse, was schlussendlich auch gelang. 

Die Fläche des Cafés soll aber weiter von der Kirchengemeinde genutzt werden. Was mit den Räumen passiert, werde sich zeitnah entscheiden, sagte Wagner. Eventuell hat die linksextreme Szene also doch nicht gewonnen.

Mehr zum Thema – Berliner Verfassungsschutz löste im Sommer 2025 das "Referat Linksextremismus" auf

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